Köln Bonn Airport - Bilanz 2012

Flughafen erzielt positives Jahresergebnis

Der Köln Bonn Airport blickt auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr zurück. Die Flughafengesellschaft hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinn von 4 Millionen Euro nach Steuern erzielt. Das Verkehrsergebnis ist ambivalent: Während die Fracht mit 751.000 Tonnen einen neuen Rekordwert erreichte, war der Passagierverkehr mit einem Minus von knapp 4 Prozent bei 9,3 Millionen Fluggästen rückläufig.

„Wir bewegen uns in einem schwierigen Marktumfeld, das unser Wachstum bremst“, sagte Michael Garvens, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Köln/Bonn GmbH, bei der Präsentation der Jahresbilanz 2012. „Die Krise und Konsolidierung bei den Airlines schlägt voll auf die Flughäfen durch. Die aktuellen Zahlen der Branche sind alarmierend, nur noch 6 der 22 deutschen Verkehrsflughäfen werden im laufenden Geschäftsjahr schwarze Zahlen schreiben. Dank eines strikten Sparkurses werden wir dazugehören.“

Passagierverkehr

Der Konsolidierungskurs der deutschen Marktführer unter den Airlines hat den Köln Bonn Airport hart getroffen. Der Lufthansa-Konzern und Air Berlin haben Flugziele gestrichen und Frequenzen reduziert, was für den Köln Bonn Airport den Verlust von mehr als einer halben Million Passagiere zur Folge hat. Diese massiven Einbußen konnten die sechs neuen Fluggesellschaften am Köln Bonn Airport im vergangenen Jahr zwar abmildern, aber nicht vollständig kompensieren: Am Ende bleibt gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 3,6 Prozent bei 9,3 Millionen Passagieren.

Betrachtet man die einzelnen Verkehrssegmente, so ist in Köln/Bonn vor allem der Inlandsverkehr von starken Rückgängen betroffen. Die Passagierzahl sank um 9 Prozent oder 310.000 Pas-sagiere. Ursächlich dafür ist die 2011 eingeführte Luftverkehrssteuer. „Diese nationale Sonderlast gehört abgeschafft. Sie ist wettbewerbsverzerrend und wirkt wie ein Wachstumsprogramm für ausländische Nachbar-Airports“, kritisierte Garvens. Die grenznahen Flughäfen in Eindhoven, Maastricht und Luxemburg zählten seit der Einführung der Ticketsteuer mehr als 1 Million zusätzliche Passagiere.

Frachtverkehr

Auf ein Rekordhoch kletterte die Fracht. Während das Tonnageaufkommen 2012 deutschlandweit um 3 Prozent gesunken ist, erreichte das Frachtvolumen mit 751.000 Tonnen ein Plus von 1 Prozent. Damit hat sich die Fracht am Köln Bonn Airport besser als der Markt entwickelt.

Auch im europäischen Vergleich behauptet sich Köln/Bonn gut gegenüber seinen Wettbewerbern. Dank UPS und FedEX, die am Flughafen ihre Drehkreuze betreiben, konnte Köln/Bonn Zuwächse verzeichnen, während alle anderen Frachtflughäfen in Europa – mit Ausnahme von Leipzig - mit Verlusten zu kämpfen hatten. So gelang dem Airport im vergangenen Jahr auch der Sprung unter die 30 größten Cargoflughäfen der Welt.

Sehr positiv entwickelte sich 2012 die Allgemeine Luftfracht. Dieses Segment legte am Köln Bonn Airport mit einem Plus von 71 Prozent auf knapp 40.200 Tonnen zu.

Wirtschaftliche Entwicklung

Im Jahr 2012 sanken die Umsatzerlöse um 2,4 Prozent auf 265 Millionen Euro. Davon entfallen mit 65,4 Prozent knapp zwei Drittel auf Flughafengebühren und Bodenverkehrsdienste, 32,4 Prozent auf Mieten, Pachten (Non-Aviation-Geschäft) und Versorgungsleistungen und 2,2 Prozent auf übrige Erträge. Damit haben sich vor allem die Umsätze im Non-Aviation-Geschäft auf hohem Niveau weiter verbessert und liegen nun bei 85,3 Millionen Euro – eine Verdopplung im Vergleich zum Jahr 2002. Der Rückgang der Umsatzerlöse insgesamt liegt hautsächlich im rückläufigen Passagieraufkommen begründet.

Der Materialaufwand verringerte sich um 3,6 Prozent auf 81,3 Millionen Euro. Dies ist im Wesentlichen auf höhere Sanierungsaufwendungen im Vorjahr, reduzierten Handlingkosten sowie auf Einsparungen im Energieeinkauf und Energieverbrauch zurückzuführen. Aufgrund des hohen Tarifabschlusses im Öffentlichen Dienst und eines Sondertarifabschlusses für die Feuerwehr stiegen die Personalkosten um 6,5 Prozent auf 106,7 Millionen Euro.

Das wirkt sich auch auf das Jahresergebnis aus, das sich von 10 Millionen Euro im Jahr 2011 auf 4 Millionen Euro in 2012 reduziert. Die Zahl der Beschäftigten zum 31.12.2012 blieb gegenüber dem Vorjahr mit 1.829 Beschäftigten unverändert. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr von 33,5 auf 34,7 Prozent.

Marktentwicklung

Die deutschen Flughäfen hatten 2013 den schlechtesten Start seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise. Im ersten Quartal verloren sie hunderttausende Passagiere, ein Minus von fast 3 Prozent. Neben den kleineren und mittleren Flughäfen rutschten mit Beginn des Winterflugplans 2012/13 auch die großen Drehkreuze ins Minus. Am Köln Bonn Airport fehlen durch den Umbau des Lufthansa-Konzerns im Winter bereits 230.000 Fluggäste, der Inlandsverkehr bricht um 20 Prozent ein. Neuzugänge wie Norwegian Air Shuttle werden allerdings ihr Engagement am Köln Bonn Airport ausweiten. Mit Beginn des Winterflugplans 2013/14 bietet die stark expandierende Low-Cost-Airline neben Oslo vier weitere Ziele von Köln/Bonn an.
Zusätzlich zur wirtschaftlich schwierigen Lage belasten die Streiks die Verkehrsentwicklung der Flughäfen. Seit 2010 wurde der Luftverkehr 20 Mal von verschiedenen Gewerkschaften bestreikt. Die Streikbilanz am Flughafen Köln/Bonn in diesem Jahr weist bereits 420 gestrichene Flüge, 41.200 Fluggäste weniger und 660.000 Euro Umsatzeinbußen aus.

Ausblick

Im Jahr 2013 geht die Flughafengesellschaft von weiter rückläufigen Passagierzahlen um 3 Prozent auf 9,1 Millionen Fluggäste und einem moderaten Frachtwachstum von 1 Prozent auf 760.000 Tonnen aus. Der Jahresüberschuss ist bei leicht steigenden Umsatzerlösen mit 600.000 Euro geplant. „In den letzten Jahren hatten wir rückläufige Passagierzahlen. Wir gehen davon aus, dass die Talsohle durchschritten ist und wir ab dem nächsten Jahr wieder Zuwächse vermelden können“, so Garvens.   

Um zukünftiges Verkehrswachstum abwickeln zu können, wird die Flughafengesellschaft in 2013 rund 45 Millionen Euro investieren.

Die bedeutendste Maßnahme ist der Neubau zur Erweiterung der Germanwings-Hauptverwaltung. Sie soll bis Ende 2013 bezugsfertig sein. Nicht nur, dass sich Germanwings zu Köln und zum Standort Airport bekennt, hier entstehen auch zusätzliche Arbeitsplätze.

„Um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir unseren Sparkurs konsequent fortsetzen. Doch wir erwarten auch von der Politik, dass sie ihre Hausaufgaben macht und unsere Branche nicht zusätzlich belastet“, sagte der Flughafenchef. Nach der sehr erfolgreichen Petition mit mehr als 135.000 Unterschriften für eine Abschaffung der Luftverkehrssteuer müsse sich was bewegen. „Zudem ist es dringend an der Zeit, ein nationales Luftverkehrskonzept zu entwickeln, das sich unter anderem den Fragen widmet, wieviele Flughäfen das Land braucht und wieviele nachts offen sein müssen.“
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